reconnue d'utilite publique Dons

Jérôme SCHILTZ

« Ech weess net, wat dës Arabecht aus mir gemaach huet. Ech sinn esou glécklech, esou erfëllt, esou zefridden a relax wann ech heem kommen. »

Jérôme Schiltz im Gespräch über Arbeit für Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit der Association nationale des Victimes de la Route AVzum heutigen 3ten Dezember 2016, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen.

AVR : Jérôme, wir unterhalten uns in den Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung Consdorf. Seit kurzem sind Sie hier eingestellt und sitzen in diesem Gemeinschaftbüro, mit Ihrem Computer und haben feste Aufgaben zu erledigen. Wie haben Sie das geschafft ?
Nach 3 Jahren Ausbildung auf dem Kräizbierg in Düdelingen und einem Jahr in den Ateliers Kräizbierg, habe ich in einem Gespräch mit der Sozialarbeiterin meinen Wunsch nach einem Praktikum ausserhalb ausgedrückt. Ich wollte mich einfach weiterentwickeln. Gott sei Dank bin ich auf offene Ohren gestossen : die Sozialarbeiterin hat einen Blick auf mein Motivationsschreiben geworfen und bei der Auswahl der Adressaten geholfen. So landete mein Schreiben unter anderem, bei der Gemeindeverwaltung Consdorf.

AVR : Was passierte als nächstes?
Der Bürgermeister hat mich angerufen. Bei diesem Gespräch habe ich ihm meinen Wunsch nach einer festen Arbeitsstelle mitgeteilt. Kurz darauf durfte ich das Praktikum antreten, welches über 4 Monate ging. Die Gemeinde hat eine neue Arbeitsstelle für eine Person mit dem Statut du „salarié handicapé“ geschaffen. Genau dies trifft auf mich zu.

AVR : Haben sich für Sie die Rahmenbedingungen verbessert?
Auf jeden Fall: ich habe eine Anerkennung von meiner 13ième commerce, das war mein Schulabschluss vor meinem Verkehrsunfall, der sich im Jahr 2008 ereignete. Finanziell gesehen kann ich jetzt aufatmen und mein Leben planen, dies ist eine riesige Erleichterung für mich. Ausserdem darf ich an Ausbildungen des INAP teilnehmen, ich bin aber nicht dazu verpflichtet.

AVR : Gibt es für Sie grosse Unterschiede zu Ihrer vorherigen Arbeit?
Hier musste ich lernen, meinen Tagesablauf und meine Aufgaben zu planen. Dies war Neuland, denn in den Behindertenwerkstätten wird für Dich organisiert, das heisst, ich war eher passiv, jetzt muss ich aktiv sein, ich bin gefordert. Es gefällt mir Verantwortung zu übernehmen, dies ist gut für meine Entwicklung, es ist Training für mein Gehirn. Ich fühle mich besser, richtig fit!

AVR : An Ihrem Computer kleben diese gelben Post-it Papierchen. Ich nehme an, dass es sich nicht um Dekoration handelt.
Nein, natürlich nicht! Sie helfen mir meine Aufgaben zu erfüllen und Wichtiges nicht zu vergessen. Hat sich etwas erledigt, so fliegt das Post-it in den Papierkorb.

AVR : Welche Aufgaben haben Sie?
Ich denke, ich bin wie ein kleiner technischer Dienst hier in meinem Team: ich bin zuständig für Bestellungen, überprüfe den Stock, sehe beim Drucker nach dem Papier und hier wird die Post gestempelt.. Ich bin sehr offen für neue Aufgaben und Herausforderungen. Die Arbeit nehme ich Ernst, ich habe dafür gekämpft.

AVR : Jérôme, Sie sind 31 Jahre alt und haben einen langen Weg hinter sich seit Ihrem Verkehrsunfall mit schwerem Gehrintrauma: Hospitalisation, Rehabilitation in Luxemburg und Brüssel, eigentlich mussten Sie alles neu lernen. Sind Sie zufrieden ?
Ech weess net, wat dës Arabecht aus mir gemaach huet. Ech sinn esou glécklech, esou erfëllt, esou zefridden a relax wann ech heem kommen.

AVR : Ich bezeichne Sie als Mut-Macher, Jérôme und bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch.

Das Gespräch führte Marie-Paule Max von der Association nationale des Victimes de la Route.